theblacksquare zt:theblacksquare zt:
Konzeptstudie Stadtentwicklung

Döblinger Steg

Entwicklungsgebiet

Döblinger Steg

Quartiersverbesserung und -entwicklung an der Heiligenstädter Lände

Der Bereich zwischen Heiligenstädter Lände 11 und 21 ist stark gewerblich geprägt, entwickelt sich jedoch zunehmend zu einem Büro- und Bildungsstandort. Zahlreiche Menschen arbeiten hier, besuchen Schulungen oder nehmen Dienstleistungen in Anspruch. Was fehlt, ist ein öffentlicher Raum, der dieser intensiven Nutzung gerecht wird.

Unsere Konzeptstudie zeigt, wie aus einem schwer erreichbaren und nahezu vollständig versiegelten Gewerbegebiet ein zugängliches, klimaangepasstes und gemischt genutztes Quartier entstehen kann.

Die Projektbezeichnung „Döblinger Steg“ wurde von The Black Square aufgrund der markanten und für den Ort prägenden Architektur des bestehenden Stegs gewählt. Der Name knüpft zugleich an die nördlich gelegenen Stadtentwicklungsgebiete „Gunold Süd“ und „Muthgasse“ an.

Das Gebiet wird täglich von zahlreichen Menschen frequentiert. Neben Büro- und Gewerbebetrieben befinden sich hier Bildungs- und Schulungseinrichtungen sowie Unternehmen mit regelmäßigem Publikumsverkehr.

Projektart
Städtebau
Projekttyp
Konzeptstudie
zur Verbesserung der Wegebeziehungen und Freiräume im Stadtquartier

Städtebauliche Konzeptstudie

Ein intensiv genutzter Ort ohne Aufenthaltsqualität

Das Gebiet wird täglich von zahlreichen Menschen frequentiert. Neben Büro- und Gewerbebetrieben befinden sich hier Bildungs- und Schulungseinrichtungen sowie Unternehmen mit regelmäßigem Publikumsverkehr.

Zum Zeitpunkt unserer Bestandsaufnahme wurden am Standort unter anderem Schulungen für Jugendliche im Auftrag des AMS durchgeführt. In den Pausen saßen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mangels geeigneter Aufenthaltsmöglichkeiten auf der Gehsteigkante. Es fehlten Sitzgelegenheiten, schattige Bereiche und nutzbare Grünflächen.

Beinahe sämtliche Flächen waren versiegelt. Der öffentliche Raum bestand im Wesentlichen aus Fahrbahnen, Parkplätzen, Zufahrten und schmalen Gehwegen. Auf der gegenüberliegenden Seite des Donaukanals befanden sich einige wenige Sitzbänke, die dem tatsächlichen Bedarf weder quantitativ noch qualitativ entsprachen.

Gerade diese informelle Nutzung macht das vorhandene Potenzial sichtbar: Trotz der widrigen Bedingungen wird jeder verfügbare Freiraum angenommen. Gehsteigkanten werden zu Sitzgelegenheiten, schmale Restflächen zu Pausenbereichen und umständliche Fußwege täglich von zahlreichen Menschen zurückgelegt. Der Bedarf an qualitätsvollen Freiräumen muss nicht erst erzeugt werden – er ist bereits vorhanden.

Die Nähe zum Donaukanal bleibt unerreichbar

Der Donaukanal liegt unmittelbar neben dem Quartier. Visuell ist das Wasser präsent, funktional ist es jedoch kaum erreichbar. Es besteht eine deutliche räumliche Nähe und damit auch die Erwartung, sich zum Wasser bewegen zu können. Ein direkter und selbstverständlich nutzbarer Zugang fehlt jedoch.

Der Donaukanal bleibt damit ein sichtbares, aber nicht erreichbares Freiraumpotenzial. Die Konzeptstudie sieht vor, diese Barriere zu überwinden und das Quartier mit dem Uferraum zu verknüpfen. Neue Fußwegverbindungen, begrünte Aufenthaltsbereiche und Zugänge zum Wasser könnten aus der derzeitigen Rückseite des Gebiets eine neue, öffentlich nutzbare Vorderseite am Donaukanal machen.

Gute öffentliche Anbindung – schwierige letzte Meter

Mit dem Bahnhof Spittelau befindet sich einer der wichtigsten Verkehrsknoten des Wiener Nordwestens in unmittelbarer Nähe. Hier treffen U4, U6 und S-Bahn aufeinander. Auch die Straßenbahn in der Heiligenstädter Straße erschließt das Gebiet grundsätzlich gut.

Die tatsächliche Verbindung zwischen den Haltestellen und den Gebäuden an der Heiligenstädter Lände ist jedoch lang, umständlich und von zahlreichen Niveauunterschieden geprägt. Von der Straßenbahnhaltestelle führt der Weg über eine langgezogene Brückenkonstruktion. Mehrere Stiegen erschweren die Erreichbarkeit zusätzlich. Eine durchgängig barrierefreie Verbindung zu den tiefer liegenden Grundstücken ist nicht vorhanden.

Ähnlich verhält es sich bei den Zugängen vom Bahnhof Spittelau. Die Station selbst ist zwar mit Aufzügen ausgestattet, die anschließenden Fußwegverbindungen über Stege und Stiegen gewährleisten jedoch keine selbstverständliche barrierefreie Erschließung des Quartiers.

Wie erklärungsbedürftig der Weg ist, zeigt die Firma easystaff an der Heiligenstädter Lände 11. Das stark frequentierte Personal- und Schulungsunternehmen stellt auf seiner Website eine eigene, bebilderte Wegbeschreibung von der Station Spittelau zur easystaff Akademie zur Verfügung. Der mit rund sieben Minuten angegebene Fußweg führt durch den Skywalk, über die Brücke und mehrere Stiegenanlagen.

Ein innerstädtischer Standort mit einer derart leistungsfähigen öffentlichen Verkehrsanbindung sollte nicht an den letzten Metern scheitern.

Eine Einbahnregelung mit kilometerlangen Folgen

Auch die Erschließung durch den motorisierten Verkehr weist erhebliche funktionale Defizite auf. Die bestehende Einbahnregelung führt dazu, dass selbst unmittelbar benachbarte Gebäude nicht direkt miteinander verbunden sind.

Wer von der Heiligenstädter Lände 17a zur nur wenige Meter entfernten Heiligenstädter Lände 19 gelangen möchte, muss entweder entgegen der vorgesehenen Fahrtrichtung zurücksetzen oder einen Umweg von rund vier Kilometern in Kauf nehmen. Die Situation verdeutlicht, dass die bestehende Verkehrsorganisation nicht aus einer gesamthaften Betrachtung des Quartiers entstanden ist.

Die Konzeptstudie schlägt daher eine zweispurige Straßenanbindung vor. Sie ermöglicht eine flexible Ansteuerung der einzelnen Liegenschaften, reduziert unnötige Umwegfahrten und verbessert zugleich die Voraussetzungen für Anlieferung, Einsatzfahrzeuge und betriebliche Abläufe.

Barrierefreie Verbindungen statt isolierter Stege

Die bestehenden Brücken stellen wichtige Verbindungen dar, enden jedoch vielfach in Stiegenanlagen und schwer auffindbaren Wegführungen. Vorgesehen ist daher die Ergänzung durch Aufzüge und neue Treppenanlagen an strategisch geeigneten Punkten.

Damit sollen kurze und nachvollziehbare Verbindungen zwischen den öffentlichen Verkehrsmitteln, der Heiligenstädter Straße, den Gebäuden an der Lände und dem Donaukanal geschaffen werden. Barrierefreiheit wird dabei nicht als nachträgliche Ergänzung verstanden, sondern als Voraussetzung für die weitere Entwicklung des Standorts.

Von den verbesserten Verbindungen profitieren nicht nur Personen mit eingeschränkter Mobilität. Auch Menschen mit Kinderwagen, Fahrrädern, Gepäck oder Arbeitsgeräten sind auf direkte und niveaugleich erreichbare Wege angewiesen.

Entsiegelung und nutzbarer Freiraum

Ein wesentlicher Schwerpunkt der Studie liegt auf der Entsiegelung bislang befestigter Flächen. Nicht zwingend benötigte Fahr- und Abstellbereiche sollen zugunsten von Grünflächen, Bäumen und wasserdurchlässigen Oberflächen reduziert werden.

Neue Sitzgelegenheiten, beschattete Pausenbereiche und begrünte Aufenthaltszonen schaffen jene Freiraumqualitäten, die der Standort derzeit vollständig vermissen lässt. Gleichzeitig verbessern Bäume und entsiegelte Flächen das Mikroklima, reduzieren die sommerliche Überhitzung und ermöglichen eine bessere Versickerung von Niederschlagswasser.

Aus den heutigen Restflächen entsteht ein zusammenhängendes Freiraumsystem, das die einzelnen Gebäude miteinander verbindet und bis zum Donaukanal weitergeführt werden kann.

Vom Gewerbegebiet zum gemischt genutzten Quartier

Die derzeitige Widmung und Nutzung entsprechen nur noch teilweise der tatsächlichen Entwicklung des Standorts. Klassische Gewerbenutzungen werden zunehmend durch Büro-, Bildungs- und Dienstleistungsangebote ergänzt.

Die Konzeptstudie sieht daher eine Weiterentwicklung zu einem Mixed-Use-Quartier vor. Bestehende Gewerbe- und Büronutzungen können durch Bildung, Gastronomie, Dienstleistungen und Beherbergungsbetriebe ergänzt werden. Die Nähe zu Einrichtungen der Universität Wien, zur Klinik Döbling und zu mehreren Bildungsstandorten bietet die Möglichkeit, neue Nutzergruppen anzusprechen und unterschiedliche Funktionen miteinander zu verbinden.

Die funktionale Durchmischung sorgt für eine Belebung über die üblichen Bürozeiten hinaus. Gleichzeitig rechtfertigt sie Investitionen in Freiräume, barrierefreie Verbindungen und eine leistungsfähige Erschließung.

Die Nutzung ist bereits da

Die Entwicklung des „Döblinger Stegs“ beginnt nicht bei null. Das Gebiet wird bereits intensiv genutzt. Menschen arbeiten und lernen hier, besuchen Schulungen, nehmen Dienstleistungen in Anspruch und legen täglich die beschwerlichen Wege von den öffentlichen Verkehrsmitteln zu den einzelnen Gebäuden zurück.

Das stärkste Argument für eine Verbesserung des Quartiers ist daher nicht eine abstrakte Zukunftsprognose, sondern die bestehende Realität: Alles, was heute vorhanden ist, wird genutzt – selbst wenn es nur eine Gehsteigkante, eine vereinzelte Sitzbank oder eine umständliche Stiegenverbindung ist.

Ein Gebiet, das täglich von so vielen Menschen aufgesucht wird, darf nicht dauerhaft wie die Rückseite der Stadt behandelt werden. Mit vergleichsweise gezielten Eingriffen kann aus dem heutigen Transitraum ein zugängliches, klimaangepasstes und lebendiges Quartier am Donaukanal entstehen.

Arbeiten mit Weitblick. New Work in Döbling mit Ausblick.

Heiligenstädter Lände. Es tut sich was.

Recent Posts

    Recent Comments

    Es sind keine Kommentare vorhanden.
    Categories
    • Keine Kategorien
    Latest Posts