Villa SLGE
Ein moderner Neubau mit dem Charakter einer gewachsenen Villa
Die Villa befindet sich im Westen Wiens, unweit jener Bereiche, in denen die Stadt allmählich in die Landschaft des Wienerwaldes übergeht. Da das Gebäude ausschließlich privat genutzt wird, verzichten wir auf nähere Angaben zum Standort und zur Bauherrschaft.
Die landschaftliche Umgebung bildete den Ausgangspunkt für die architektonische Haltung. Das im 19. Jahrhundert entstandene Idyll des Wienerwaldes brachte eine charakteristische Villenarchitektur hervor, die bis heute das Bild der westlichen Wiener Stadtrandlagen prägt. An diese Tradition knüpft der Neubau an.
Das Gebäude erfüllt sämtliche Anforderungen an ein zeitgemäßes Wohnhaus, besitzt jedoch die Erscheinung und den Charme einer lieblichen neoklassizistischen Villa. Proportionen, Fassadengliederung, Öffnungen, Gesimse, Stilelemente und Dachform wurden sorgfältig aufeinander abgestimmt. Ziel war keine oberflächliche historische Inszenierung, sondern ein in sich schlüssiges Gebäude, dessen architektonische Sprache bis ins Detail konsequent entwickelt wurde.
Bauen mit der Topografie
Historische Erscheinung, hybrides Tragwerk
Hinter der klassisch anmutenden Gebäudehülle befindet sich eine anspruchsvolle und ungewöhnliche Tragstruktur. Das Kellergeschoss wurde in Stahlbeton hergestellt. Das Erdgeschoss besteht aus 50 cm starkem Planziegelmauerwerk. Im Ober- beziehungsweise Dachgeschoss verbindet eine hybride Konstruktion Stahl, Holz und Stahlbeton.
Diese Kombination entstand aus dem Zusammenspiel unterschiedlicher statischer, bauphysikalischer und gestalterischer Anforderungen. Tragfähigkeit, Schallschutz und Wärmeschutz mussten ebenso berücksichtigt werden wie die gewünschte Raumwirkung und die komplexe Geometrie des Daches.
Aufgrund der Größe des Dachgeschosses wurde dessen tragende Struktur als Stahlrahmenkonstruktion ausgeführt. Sie ermöglicht die erforderlichen Spannweiten und bildet zugleich die konstruktive Grundlage für das charakteristische Mansardendach.
Mansardendach mit Schieferdeckung
Das Mansardendach prägt die Erscheinung der Villa maßgeblich. Der typische Aufschiebling führt die Dachfläche in einen flacheren Traufbereich über und verleiht dem Gebäude jene feine, historisch vertraute Silhouette, die für Villen dieser Stilrichtung charakteristisch ist.
Eine Besonderheit stellt die Deckung mit Naturschiefer dar. Während heute selbst bei historisierenden Gebäuden häufig auf vereinfachte oder industriell geprägte Dachmaterialien zurückgegriffen wird, trägt die Schieferdeckung wesentlich zur authentischen Wirkung des Hauses bei. Material, Teilung und Verarbeitung wurden sorgfältig auf die Dachgeometrie, die Gauben und die angrenzenden Gesimse abgestimmt.
Besondere Aufmerksamkeit erforderte die Hinterlüftung der Gauben. Die bauphysikalisch notwendigen Lüftungsquerschnitte mussten sichergestellt werden, ohne die historischen Proportionen zu verändern oder auf die umlaufenden Gesimse zu verzichten. Die technische Funktion wurde daher in die architektonische Gliederung integriert und bleibt in der fertigen Ansicht weitgehend unsichtbar.
Authentizität entsteht im Detail
Die Villa wurde vom Rohbau bis zur dekorativen Gestaltung der Innenwände vollständig durchgeplant. Die Planung umfasste nicht nur Konstruktion, Gebäudehülle und Haustechnik, sondern auch Fassadenoberflächen, Geländer, Anschlüsse, Stuckleisten und zahlreiche handwerkliche Sonderlösungen.
Um eine feinere und ruhigere Fassadenoberfläche zu erzielen, wurde der Außenputz zusätzlich überspachtelt. Dadurch entstand eine Glätte, die der neoklassizistischen Gliederung entspricht und das Licht gleichmäßig über die Fassadenflächen führt.
Für Balkone und Terrassen wurden geschmiedete Geländer entwickelt. Ihre Befestigungen mussten aus gestalterischen Gründen durch die Attikaabdeckungen geführt werden. Die Durchdringungen waren daher so zu planen, dass die gewünschte filigrane Erscheinung mit den konstruktiven Anforderungen an Anschluss, Abdichtung und Dauerhaftigkeit vereinbar blieb.
Auch der Blitzschutz sollte die ruhige Fassadengliederung nicht beeinträchtigen. Die Leitungen wurden daher in das Mauerwerk eingeschlitzt und innerhalb des Fassadenaufbaus geführt. Was technisch notwendig ist, tritt gestalterisch nicht in Erscheinung.
Dieser Grundsatz zieht sich durch das gesamte Gebäude: Die Technik ist umfassend vorhanden, soll sich jedoch nicht in den Vordergrund drängen. Vom Grundkanal bis zum Windwächter wurden sämtliche Komponenten detailliert koordiniert. Der hohe technische Standard wird im Alltag spürbar, ohne die architektonische Wirkung des Hauses zu stören.
Eine Wendeltreppe als Projekt im Projekt
Ein besonderes Element befindet sich im Zentrum der Villa: eine Wendeltreppe mit paraboloider Grundgeometrie. Sie verbindet die Ebenen des Hauses und bildet zugleich dessen räumlichen Mittelpunkt.
Dabei handelt es sich um keine gewöhnliche Wendeltreppe. Die geometrische Ermittlung der Wendelung und der einzelnen Stufen erfolgte zunächst mit dem Treppenwerkzeug von Archicad. Mehrere Anforderungen mussten gleichzeitig berücksichtigt und miteinander in Einklang gebracht werden.
Einerseits hatte die Treppe den Vorgaben der ÖNORM B 5371 „Treppen, Geländer und Brüstungen in Gebäuden und von Außenanlagen“ zu entsprechen. Andererseits war ein krümmungsstetiger Verlauf zu entwickeln, der über die gesamte Geometrie harmonisch bleibt und keine Dellen oder unerwünschten Richtungswechsel aufweist.
Eine weitere Herausforderung lag in den zahlreichen Schnittstellen zwischen den beteiligten Gewerken. Baumeister, Schlosser, Tischler und Steinmetz mussten ihre jeweiligen Leistungen präzise aufeinander abstimmen. Insbesondere die Rohtreppe erforderte eine außergewöhnlich genaue Ausführung, da bereits geringe Abweichungen Auswirkungen auf die späteren Verkleidungen, Anschlüsse und Geländergeometrien gehabt hätten.
Dafür wurden detaillierte Pläne entwickelt, die weit über eine übliche Treppendarstellung hinausgingen. Geometrie, Rohbau, Metallbau, Holzarbeiten und Naturstein wurden bereits in der Planung zusammengeführt. Erst diese Genauigkeit ermöglichte es, die anspruchsvolle Form handwerklich kontrolliert umzusetzen.
Tradition ohne Verzicht auf Gegenwart
Die Villa am Wienerwald zeigt, dass traditionelle Architektur und moderne Anforderungen keinen Widerspruch bilden müssen. Voraussetzung ist, dass historische Gestaltung nicht auf einzelne Dekorationselemente reduziert wird. Erst wenn Proportion, Gliederung, Konstruktion, Materialität und Detail einer gemeinsamen Logik folgen, entsteht ein glaubwürdiges Gesamtbild.
Gleichzeitig darf die gewünschte Authentizität nicht zulasten von Komfort, Dauerhaftigkeit oder technischer Qualität gehen. Die Aufgabe bestand daher darin, heutige Baustoffe, eine komplexe Tragstruktur und moderne Gebäudetechnik so zu integrieren, dass sie den Charakter des Hauses unterstützen.
So entstand ein Neubau, der seine Gegenwart technisch nicht verleugnet, architektonisch jedoch an die Villenkultur des Wienerwaldes anknüpft. Ein Haus, dessen besondere Wirkung nicht auf einem einzelnen Element beruht, sondern auf der Konsequenz seiner Planung.
Eine gewissenhafte Planung bringt schöne Dinge hervor.
Authentizität entsteht im Detail
Authentizität entsteht im Detail
Die Villa wurde vom Rohbau bis zur dekorativen Gestaltung der Innenwände vollständig durchgeplant. Die Planung umfasste nicht nur Konstruktion, Gebäudehülle und Haustechnik, sondern auch Fassadenoberflächen, Geländer, Anschlüsse, Stuckleisten und zahlreiche handwerkliche Sonderlösungen.
Der hohe technische Standard wird im Alltag spürbar, ohne die architektonische Wirkung des Hauses zu stören.
Eine Wendeltreppe als Projekt im Projekt
Ein besonderes Element befindet sich im Zentrum der Villa: eine Wendeltreppe mit paraboloider Grundgeometrie. Sie verbindet die Ebenen des Hauses und bildet zugleich dessen räumlichen Mittelpunkt.
Dabei handelt es sich um keine gewöhnliche Wendeltreppe. Die geometrische Ermittlung der Wendelung und der einzelnen Stufen erfolgte zunächst mit dem Treppenwerkzeug von Archicad. Mehrere Anforderungen mussten gleichzeitig berücksichtigt und miteinander in Einklang gebracht werden.
Technik trifft Gestaltung
So anspruchsvoll die technischen Rahmenbedingungen waren, so wichtig war gleichzeitig der architektonische Anspruch. Die äußere und innere Gestaltung des Gebäudes bringt Konstruktion, Materialität und Nutzung in Einklang.
Gerade dieses Zusammenspiel macht Focus On zu mehr als einem technisch durchdachten Gebäude – es ist ein Projekt, bei dem Technik und Gestaltung nicht nebeneinander stehen, sondern sich gegenseitig verstärken.
Dass dieser Ansatz funktioniert, zeigt auch die Auszeichnung mit dem Iconic Award sowie dem German Design Award.
Sie planen ein Bauvorhaben?
Ob Neubau, Bestand oder komplexe Planungsaufgabe – wir begleiten Ihr Projekt von den ersten Entscheidungen bis zur präzisen Umsetzung.














