BIM – Planung als System, nicht als Zeichnung
Building Information Modeling (BIM) ist mehr als eine Methode. Es ist ein grundlegender Wandel in der Art und Weise, wie Gebäude geplant, gebaut und betrieben werden.
Während klassische Planung auf zweidimensionalen Plänen basiert, arbeitet BIM mit einem digitalen, dreidimensionalen Gebäudemodell, das alle relevanten Informationen integriert – von Geometrie über Materialien bis hin zu technischen Eigenschaften und auch Kosten und Terminen.
Das Gebäude entsteht damit zunächst virtuell – vollständig, koordiniert und überprüfbar, lange bevor es gebaut wird.
Ein gemeinsames Modell – eine gemeinsame Sprache
Die größte Stärke von BIM liegt in der Zusammenarbeit. Alle Projektbeteiligten – Architektur, Tragwerksplanung, Gebäudetechnik und Ausführung – arbeiten auf Basis eines gemeinsamen Modells.
Standards wie die ÖNORM A 6241-2 schaffen dabei die notwendige Struktur: Sie definieren, wie Informationen aufgebaut, ausgetauscht und über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes hinweg genutzt werden.
Das Ergebnis ist eine gemeinsame digitale Sprache, die Missverständnisse reduziert, Schnittstellen klar definiert und Prozesse deutlich effizienter macht.
Mehr als 3D: Information als entscheidender Mehrwert
BIM wird oft auf das 3D-Modell reduziert. Tatsächlich liegt der eigentliche Mehrwert aber in der Information.
Jedes Bauteil im Modell trägt nicht nur seine geometrische Form, sondern auch Eigenschaften wie Material, Kosten, technische Parameter oder Wartungszyklen. Diese Daten ermöglichen:
- präzisere Kostenprognosen
- frühzeitige Erkennung von Konflikten
- optimierte Bauabläufe
- fundierte Entscheidungen über den gesamten Lebenszyklus
Durch diese Verknüpfung entsteht ein durchgängiges System, das Planung, Ausführung und Betrieb miteinander verbindet.
Detailtiefe als Steuerungsinstrument
Ein entscheidender Faktor in der BIM-Planung ist die richtige Definition der Modelltiefe.
Im Rahmen unseres Projekts NEW WORK der TREI GmbH wurde das Gebäude in Anlehnung an die ÖNORM A 6241-2 und gemäß den Modellierungsrichtlinien von Archicad entwickelt. Dabei erreichten wesentliche Bereiche der Architektur einen Level of Geometry (LoG) von 350, ergänzt durch einen Level of Information (LoI) von rund 250.
Um die Arbeitsschritte dabei bewusst schlank und effizient zu halten, wurden modellierten Bauteilen gezielt spezifische Materialeigenschaften zugewiesen – etwa Druckfestigkeitsklassen oder Schalungsklassen. Dadurch war es möglich, Massen rasch und zuverlässig für die Ausschreibung auszulesen.
In weiterer Folge konnte auch die ausführende Seite direkt auf diese Daten zugreifen: Im konkreten Fall war es der Generalunternehmer STRABAG, der relevante Informationen unmittelbar aus dem Modell übernehmen konnte. Die Planung wurde damit nicht nur präziser, sondern auch durchgängig anschlussfähig.
Diese Arbeitsweise wurde im Projekt FOCUS ON konsequent weitergeführt – einem Holz-Hybrid-Bau mit rund 5.400 m² Bruttogeschoßfläche. Hier wurden die statischen Anforderungen so in das Modell integriert und weiterentwickelt, dass ein hochpräzises IFC-Modell exportiert werden konnte. Dieses bildete die Grundlage für die Weiterbearbeitung durch die ausführende Firma Graf Holztechnik, die darauf aufbauend ihre Werk- und Montageplanung in CADWORK nahtlos entwickeln konnte.
In beiden Projekten galt dabei ein klarer Grundsatz: Nicht das gesamte Gebäude wurde maximal detailliert modelliert, sondern gezielt jene Bereiche, die technisch und koordinativ entscheidend sind. Die Modelle dienten uns – nicht umgekehrt.
Das Ergebnis war ein hohes Maß an Kontrolle über Planung, Mengen und Schnittstellen.
Diese Kombination ermöglicht eine präzise Balance:
Das Modell ist detailliert genug, um belastbare Aussagen zu Konstruktion, Mengen und Kosten zu treffen – bleibt aber gleichzeitig effizient in der Bearbeitung.
Genau hier zeigt sich der Unterschied zwischen „BIM verwenden“ und „BIM beherrschen“.
Effizienz durch Struktur
Ein sauber aufgebautes BIM-Modell schafft Klarheit – und damit Effizienz.
Änderungen können schnell analysiert und umgesetzt werden, Planungsfehler werden früh erkannt, und die Koordination zwischen den Gewerken verbessert sich signifikant.
Gleichzeitig ermöglicht die strukturierte Datenbasis eine durchgängige Nutzung über alle Projektphasen hinweg – von der ersten Idee über die Ausführung bis hin zum späteren Betrieb.
BIM ist damit nicht nur ein Planungswerkzeug, sondern ein Steuerungsinstrument für das gesamte Projekt.
Von der Planung zum Betrieb
Der eigentliche Mehrwert von BIM endet nicht mit der Fertigstellung des Gebäudes.
Durch die vollständige digitale Dokumentation bleiben alle relevanten Informationen auch im Betrieb verfügbar. Wartung, Umbau oder Erweiterungen können auf einer belastbaren Datenbasis erfolgen – ohne Informationsverlust.
In erweiterten Anwendungen (5D, 6D, 7D) werden zusätzlich Kosten, Nachhaltigkeit und Facility Management direkt in das Modell integriert.
Damit wird BIM zu einem Werkzeug, das den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes abbildet.
Unsere Haltung zu BIM
Für uns ist BIM kein Selbstzweck und kein „digitales Extra“. Es ist die logische Konsequenz aus einem Anspruch:
Komplexe Projekte müssen klar strukturiert, präzise geplant und sauber umgesetzt werden.
BIM ermöglicht genau das – wenn es richtig eingesetzt wird.
Nicht die maximale Detailtiefe ist entscheidend, sondern die richtige.
Nicht die Software ist ausschlaggebend, sondern das System dahinter.
Und nicht das Modell allein zählt, sondern das, was daraus entsteht: ein Gebäude, das funktioniert.