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Gastronomie

Weingut STSR

Umbau eines historischen Winzerhofs

Weingut STSR

In den engen, verwinkelten Gassen von Weißenkirchen in der Wachau befindet sich das Weingut STSR — ein gewachsenes Ensemble, dessen historische Substanz bis in das 16. Jahrhundert zurückreicht. Besonders die Kellerräume erzählen von der langen Geschichte des Weinbetriebs und bilden eine eindrucksvolle Grundlage für die behutsame Weiterentwicklung des Bestands.

Die in den 1970er-Jahren erweiterten Gebäudeteile sollen umfassend umgebaut und saniert werden. Ziel ist es, den Charakter des alten Winzerhofs zu erhalten und zugleich eine zeitgemäße Nutzung für den modernen Fremdenverkehr zu ermöglichen. Der bestehende Dachstuhl wird dafür demontiert und nach Stand der Technik neu aufgebaut. Anstelle des ehemaligen Heubodens entstehen künftig Gäste- und Pensionszimmer zur saisonalen Vermietung.

Projektart
Sanierung, Umbau
Planung
2025 bis 2026
Location
im Herzen der Wachau
Nutzfläche
629,35 m²

Die besondere Kunst dieses Projekts liegt im sorgfältigen Umgang mit dem denkmalgeschützten Ortsbild. Veränderungen müssen so vorgenommen werden, dass sie sich selbstverständlich in das historische Ensemble einfügen. Gleichzeitig sind sämtliche Anforderungen eines heutigen Gästebetriebs unterzubringen: Aufzug, Empfang, Frühstücksraum, moderne helle Zimmer, eine Dachterrasse sowie klare Wege für Gäste, Service, Ver- und Entsorgung.

Der Bestand selbst stellt dabei eine außergewöhnliche planerische Herausforderung dar. Das Gebäude besitzt keinen einzigen rechten Winkel und ist von einer Vielzahl unterschiedlicher Niveaus geprägt. Ohne eine präzise Punktwolkenaufnahme wäre es kaum möglich gewesen, den Bestand verlässlich in Archicad aufzusetzen und daraus eine tragfähige Planungsgrundlage zu entwickeln.

Über die Jahrhunderte wurden im Gebäude verschiedenste Deckensysteme verbaut. Gewölbe, Dippelbaumdecken, Tramdecken, Ziegeleinhängedecken, Hourdisdecken und Stahlbetondecken treffen auf engem Raum aufeinander. Diese bauliche Vielfalt macht den Umbau besonders anspruchsvoll, eröffnet aber zugleich die Chance, die historische Tiefe des Hauses sichtbar und erlebbar zu halten.

Die Umwandlung des alten Winzerhofs in einen zeitgemäßen Gästebetrieb erfordert eine präzise Organisation der inneren Abläufe. Empfang, Bewirtung, Aufzug, Fluchtwege, Servicewege sowie die technische Ver- und Entsorgung müssen in eine bestehende Struktur integriert werden, die nie für diese Anforderungen geplant wurde. Gerade darin liegt die Qualität des Projekts: Die neue Nutzung wird nicht über den Bestand gestülpt, sondern aus seiner Struktur heraus entwickelt.

Auch die besonderen Orte des Hauses bleiben Teil des Konzepts. Das mittelalterliche Kellergewölbe soll künftig Raum für Weinverkostungen bieten und die Geschichte des Weinguts unmittelbar erfahrbar machen. Auf der Dachterrasse entsteht ein neuer Aufenthaltsbereich, der besonders in den Sommermonaten für Weinempfänge und Ausblicke über die Dächer von Weißenkirchen genutzt werden kann.

Die technische Ausstattung wird ebenfalls in die Gegenwart geführt. Beheizung und Kühlung sollen möglichst nachhaltig über Luft-Wasser-Wärmepumpen in Kombination mit einer Photovoltaikanlage beziehungsweise Solarthermie erfolgen. Damit verbindet das Projekt den respektvollen Umgang mit historischer Bausubstanz mit einem zeitgemäßen energetischen Konzept.

So entsteht aus einem gewachsenen Winzerhof ein moderner, atmosphärischer Gästebetrieb, der seine Geschichte nicht versteckt, sondern bewusst weiterträgt. Zwischen mittelalterlichem Kellergewölbe, neu aufgebautem Dachstuhl, hellen Gästezimmern und sommerlicher Dachterrasse wird das Weingut Stierschneider behutsam in die Zukunft geführt.

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